Chronik

 

Die Schützengesellschaft Rottach-Egern ist weit über 100 Jahre alt. Wie alt sie genau ist, lässt sich jedoch wohl nie mehr feststellen. Die Jahreszahl 1850 muss sich auf einer Schützenscheibe befunden haben, die wie viele andere Scheiben leider verschollen ist. Die Gesellschaft besitzt für die Zeit vor der Jahrhundertwende keinerlei Unterlagen. Auch für die Zeit bis 1952 sind wir auf die Berichte der alten Schützen sowie die Namen auf der Königskette und ein paar alten Scheiben angewiesen. Insbesondere der im Jahr 1980 verstorbene Ehrenschützenmeister Peter Höß zum Wenel hat in vielen Gesprächen aus der alten Schützenzeit erzählt. Er selbst war seit 1919 aktiver Schütze bei der Rottacher Zimmerstutzengesellschaft. Genau genommen gab es damals vier Rottacher Gesellschaften, die auch verschiedene Schießlokale hatten: in der „Tuften“, beim „Glasl“ in Oberach, beim Bachmair am See und im Schwaighof. Erst viel später wurden die vier Gesellschaften zu einer zusammengeschlossen, schossen jedoch weiterhin an den verschiedenen Orten. Das lag zum einen daran, dass es damals keine zentrale Schießstätte gab, und zum anderen waren die Schützen nicht so mobil wie heute und daran interessiert, nicht zu weit fahren zu müssen.

Während der Kriegs- und Nachkriegszeit trat ein längerer Stillstand ein. Ein geregelter Schießbetrieb wurde erst im Jahr 1952 wieder aufgenommen. Unter dem damaligen 1. Schützenmeister Otto Adlbert wurden regelmäßig Kranzlschießen abgehalten (z. B. in der „Seerose“ in Egern). Am 26./27. März 1953 fand dann das erste Königsschießen nach dem Krieg statt (König wurde damals Max Schwögler) sowie 1953 ein Ludwig-Thoma-Gedächtnisschießen. Schließlich fand 1954 in der „Tuften“ ein Königsschießen statt, das für die Gesellschaft und vor allem für die Königskette von Bedeutung sein sollte. König wurde nämlich (vor dem Altschützenmeister Beppi Kögl) der Mitinhaber der bekannten Firma Underberg, Konsul Carl Underberg. Dieser zeigte sich äußerst großzügig. Seitdem ist das Herzstück der Rottacher Königskette ein goldenes Relief von Rottach-Egern, mit einem Brillanten, der als Sonne neben dem Wallberg funkelt.

Im Jahr darauf, also 1955, lud die Gesellschaft zum Jubiläumsschießen in den Gasthof „Post“ in Rottach ein. Konsul Underberg zeichnete als Protektor und Maria „Maidi“ Liebermann von Wahlendorf (die Lebensgefährtin von Ludwig Thoma) als Schirmherrin. Nach Jahren des Wachstums und vieler geselliger Schützentreffen folgten für die Rottacher Schützen schwierige Jahre. 1960 wurde der Saal in Enterrottach abgerissen, wodurch die Schützen obdachlos wurden (so der Chronist Peter Höß in seinen seit 1952 geführten handschriftlichen Aufzeichnungen). Bis 1965 konnten die Rottacher dank der Gastfreundschaft der Tegernseer Schützen in deren Schießstätte ihre Kranzlschießen ausrichten.

Als dann im November 1965 der 1. Schützenmeister Otto Adlbert verstarb, war die Gesellschaft der Auflösung nahe. Hier waren es nun 10 Männer, die durch Weiterzahlung aus eigener Tasche die Gesellschaft vor der Auflösung bewahrten und denen unser besonderer Dank gilt. Es waren dies: Baumgartner Hans sen., Baumgartner Hans jun., Maier Georg sen., Maier Georg jun., Kandlinger Lenz sen., Sonnleitner Michael, Mannhardt Marinus, Höß Peter, Schmid Karl und Wackersberger Anton.

Eine Neukonstituierung erfolgte dann im Jahre 1970. Initiator war der Rottacher Kaufmann Max Schultes, ein ebenso begeisterter wie hervorragender Schütze. In den folgenden Jahren war die Gesellschaft nun wieder im Almhof Enterrottach untergebracht, wo ein neuer Saal entstanden war. Dort fanden u. a. das Schießen zum 125. Jubiläum und große Pokalschießen statt. Dabei wurde anfangs noch auf mechanischen Ständen geschossen (bei denen der Schütze die Scheibe selbst raus- und reinkurbeln musste) und zudem lange Zeit noch mit Schreiberinnen. Diese saßen jeweils neben dem Schützen, hatten Licht von einer kleinen Leselampe und notierten – unbestechlich! – jeden Schuss. Sicher werden viele Schützen sich gerne an diese Zeit zurückerinnern. Im Almhof mussten die Stände immer auf- und abgebaut werden, weshalb die Schützen nach neuen Räumen suchten.

Es ist der große Verdienst der Gemeinde Rottach-Egern und ihres 1. Bürgermeisters Max Engelsberger, dass 1978, neben dem altehrwürdigen Gsotthaber Hof, ein Sportzentrum entstand, in dem neben den Tennisspielern und Keglern nun auch die Schützen eine schöne neue Schießstätte erhielten. Mit den Ersparnissen und viel Eigenarbeit errichteten die Schützen 13 Stände und hatten bald regen Zulauf. Die Zahl der Mitglieder stieg langsam, aber beständig.

1993 spendete Jürgen Benkwitz die Kette für unsere Jugendköniginnen und Jugendkönige.

Seit 1996 richten wir jährlich das Gemeindeschießen für die ortsansässigen Vereine, Formen und Gruppen aus. Auch zahlreiche Gästeschießen und die Teilnahme am Jugendferienprogramm zählen zu den weiteren Angeboten unseres Vereins.

Nach dem tragischen Unfalltod von Sepp Reifenstuhl am 25. Juni 2006 verloren wir nicht nur unseren 2. Schützenmeister und einen sich unermüdlich für die Jugend einsetzenden Trainer, sondern vor allem einen guten Freund.

Im Oktober 2012 erfuhr unsere Schießstätte durch einen Anbau eine dringend benötigte Erweiterung, welche seither die Umkleidekammer aufnimmt. Die Planung oblag Heinz Siefert, den Bau realisierten einheimische Firmen sowie Marinus Mannhardt.

Neben den wöchentlichen Kranzln mit Jugendtraining wurde das Vereinsleben durch eine Neuauflage des Zimmerstutzenkranzls mit traditionellen Waffen bereichert. Dieses geht auf den Ursprung der Schützengesellschaft Rottach-Egern zurück. Am 17. November 2012 startete diese Disziplin mit 7 Schützen und findet seither jeweils am letzten Samstag im Monat statt.

Ab 2016 war unsere Rundenwettkampfmannschaft mehrere Jahre in der Gauklasse vertreten.

Ein weiterer An- und Ausbau erfolgte im August 2016, Planung und Ausführung durch die Gemeinde Rottach-Egern. Dieser Gebäudeteil beherbergt die Küche.

Zudem betrieben wir bis 2017 einen eigenen Weinstand beim jährlichen Rottacher Seefest. Mit unserer Präsenz dort leisteten wir einen wichtigen Beitrag zum Kontakt zwischen Verein, der Teil der Gemeinde ist, sowie Einheimischen und Urlaubern.

2024 wurden mit Unterstützung der Gemeinde 10 neue Luftgewehre angeschafft, um weiterhin das Gemeindeschießen und Gästeschießen veranstalten zu können.

2025 ist nicht nur besonders, weil wir in diesem Jahr unser 175-jähriges Jubiläum feiern. In diesem haben wir unsere neue Sparte "Bogenschießen" ins Leben gerufen.